Ausgabe 91 | November 2011

Mobiles Leben und Techniktrends

Handy-Kamera der Zukunft funktioniert wie das menschliche Auge

Wissenschaftler der norwegischen Forschungsstiftung SINTEF haben ein Handy-Objektiv entwickelt, das ähnlich wie das menschliche Auge fokussieren kann. Bisher verfügen Handykameras über Objektive, die zum Scharfstellen bewegliche Linsen benötigen. Das ist aufwendig. Die künstliche „Augenlinse“ besteht dagegen aus vier dünnen Schichten, die zusammen gerade einmal einen halben Millimeter dick sind. Die oberste Schicht des Linsensystems hat piezoelektrische Eigenschaften und kann durch elektrische Spannung gebogen werden. Auf diese Weise wird die Form der Linse selbst verändert, wie dies auch das menschliche Auge kann. Die neuartige Linse stellt nicht nur schneller als jedes heutige Autofokus-System scharf, sie ermöglicht auch den Bau deutlich flacherer Handymodelle.

Weitere Infos: 
www.innovationnewsdaily.com/shapeshifting-2322/

Indien: „Fight back“-App soll Frauen beschützen

Frauen in der indischen Metropole Neu-Delhi sollen durch eine neu entwickelte Handy-App besser vor Gewalt geschützt werden. Mithilfe der von der Nichtregierungsorganisation „Whypoll“ entwickelten sogenannten „Fight back“-App können angegriffene Frauen per Klick Freunde, Familie und die Polizei alarmieren. Gleichzeitig wird ein Alarm auf Twitter und Facebook geschaltet und eine SMS verschickt. So sollen Täter von Vergewaltigungen und Angriffen abgeschreckt werden. Nach Behördenangaben wird in Neu-Delhi alle 18 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt. Die „Fight back“-App soll ab November auf der Website von Whypoll zum Download bereitstehen und von zahlreichen Smartphones unterstützt werden.

Weitere Infos: 
www.netzwelt.de/news/88946 ...mobile-app/
www.facebook.com/pages...sk=wall

Scannen und genießen – Handy-App verknüpft Online-Shopping mit der realen Welt

Die koreanische Supermarktkette Tesco Homeplus hat den ersten Supermarkt für Handy-Shopper eröffnet. Statt Waren finden Kunden hier Plakate, die zeigen, was der Supermarkt zu bieten hat. Darunter jeweils ein quadratischer Barcode, der mit dem Handy abfotografiert werden kann. Die Software im Handy scannt den Artikel und sorgt dafür, dass die Einkäufe vom Supermarkt nach Hause geliefert werden. Kommt der Shop bei den Kunden an, will Homeplus weitere App-Märkte eröffnen.

Weitere Infos: 
www.istockanalyst.com/business/news/5383085/tesco-seoul-south-korea

Projektor und Gestensteuerung machen interaktive Handy-Telefonkonferenzen möglich

Immer kleinere und leistungsfähigere Pico-Beamer, die teilweise schon in Smartphones integriert werden, verbessern künftig Telefonkonferenzen: Mithilfe eines Smartphones und eines Pico-Projektors haben Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen jetzt den Prototypen einer Anwendung für interaktive Telefonkonferenzen entwickelt, berichtet das Portal picoprojector-info.com. Dazu wird eine Benutzeroberfläche auf den Schreibtisch der Gesprächspartner projiziert. Mit den Händen lassen sich Elemente bewegen oder hervorheben – eine Kamera nimmt die Bewegungen auf und setzt sie in Computeranweisungen um. Das System ermöglicht so eine Interaktion mit dem projizierten Bild, die wie ein Touchscreen funktioniert. So können Nutzer beispielsweise gleichzeitig an einem Projekt arbeiten.

Weitere Infos: 
www.picoprojector-info.com/pico-projector-used-system

Umwelt und Gesundheit

Geltende Mobilfunk-Grenzwerte schützen die Gesundheit von Kindern

Die Frage, ob Kinder einem möglicherweise höheren gesundheitlichen Risiko durch die elektromagnetischen Felder (EMF) von Mobiltelefonen oder Mobilfunksendeanlagen ausgesetzt sind, zieht sich durch zahlreiche Forschungsarbeiten. Nach einer Bewertung aktueller Studien kommt jetzt der Niederländische Gesundheitsrat zu dem Ergebnis, dass „es keine wissenschaftlichen Beweise für einen negativen Einfluss der Exposition gegenüber EMF von Mobiltelefonen, Basisstationsantennen oder WLAN-Geräten auf Entwicklung und Funktion des Gehirns sowie die Gesundheit von Kindern gibt“. Der Gesundheitsrat, ein unabhängiges Beratungsgremium von Regierung und Parlament, sieht auch keinen Anlass für eine Verschärfung der Grenzwerte, da diese einen 50-fachen Sicherheitsfaktor einhalten, spricht sich aber für weitere Forschungsanstrengungen aus.

Weitere Infos: 
www.gezondheidsraad.nl/en/news/infleuence-children-s-brains

Europäische Kommission: Forschung bleibt treibende Kraft in der Risikobewertung von EMF

Vom 16. bis 17. November erörterten Wissenschaftler auf Initiative der Generaldirektion Gesundheit auf einer internationalen Konferenz in Brüssel die neuesten Erkenntnisse zu elektromagnetischen Feldern (EMF) und Gesundheit. Hintergrund ist die nach wie vor weitverbreitete Befürchtung vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch EMF in Europa. Die Europäische Kommission zieht als wichtigstes Fazit der Konferenz, dass Forschung weiterhin eine treibende Kraft in der Risikobewertung darstellt und dass der „Nocebo“-Effekt eine Hauptursache von Elektrosensibilität ist.

Weitere Infos: 
ec.europa.eu/health/electromagnetic_fields...en.htm

Schweizer Studie findet keinen Zusammenhang von Befindlichkeitsstörungen und Feldern

Schweizer Wissenschaftler sind in der durch die Swiss National Science Foundation (SNF) geförderten Studie „Wahrnehmung und Sensibilität im Zusammenhang mit hochfrequenter elektromagnetischer Feld-Exposition“ einem möglichen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks und gesundheitlichen Beschwerden von Menschen nachgegangen, die sich selbst als elektrosensibel bezeichnen. Die Symptome dieser Personen, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Tinnitus, wurden mit den Angaben einer nicht betroffenen Studiengruppe verglichen. Mehr als 1.000 Teilnehmer konnten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren befragt werden. Ein Zusammenhang zwischen der Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und den geschilderten Beschwerden ließ sich durch die Studie nicht belegen.

Weitere Infos: 
www.emf-portal.de/viewer.php?l=g&aid=19409

Politik und Recht

Hotlines mit Mobilfunk-Vorwahl nicht zulässig

Handy-Rufnummern, die mit einer der bekannten Vorwahlen für Mobilfunknetze beginnen, dürfen nicht als Sonderrufnummern für Premium-Dienste verwendet werden. Mit dieser Feststellung gab die Bundesnetzagentur einem Handy-Kunden recht, der aus dem Mobilfunknetz seines Anbieters eine stark erhöhte Gebühr für den Anruf bei der Hotline eines anderen Anbieters zahlen sollte. Da diese mit einer Handy-Vorwahl versehen war, konnte der Kunde nicht erkennen, dass es sich um einen sogenannten „Premium-Dienst“ handelte. Die Bundesnetzagentur rügte die Praxis gegenüber dem Netzbetreiber, der umgehend reagierte und die Service-Rufnummern umgestellt hat.

Weitere Infos: 
www.teltarif.de/mobilfunk-44354.html

Kein Beweis: Verkürzter Einzelverbindungsnachweis genügt nicht als Beleg für Anrufe

Selbst ein Prüfprotokoll und ein verkürzter Einzelverbindungsnachweis konnten einen Richter am Amtsgericht Dachau nicht überzeugen: Mit diesen Beweismitteln hatte ein Mobilfunkanbieter seine Rechnung über 1.220 Euro an einen Mobilfunkkunden begründet. Dieser, so wollte der Netzbetreiber beweisen, habe angeblich teilweise im Sekundentakt mehr als 1.800 Mal eine kostenpflichtige 0137-Mehrwertdienste-Nummer angerufen. Der Kunde konnte jedoch durch Zeugen belegen, dass er in der fraglichen Zeit einen Linienbus gesteuert hat. Das Gericht wies die Forderung des Netzbetreibers ab. Selbst wenn von einem Anscheinsbeweis auszugehen wäre, sei dieser durch den Zeugenbeweis erschüttert worden. (Amtsgericht Dachau Urteil vom 16.08.2011 Az.: 2 C 1423/10)

Weitere Infos: 
www.kanzlei.biz/nc/dialerrecht/16-08-2011-10.html

Wirtschaft

Einheitlicher Markt für mobile Breitbanddienste in der EU rückt näher

Die Europäische Union verstärkt ihre Bemühungen zum Ausbau des gemeinsamen Marktes für Breitband-Internet. Von 2013 an sollen frei werdende Rundfunkfrequenzen zwischen 790 und 862 MHz in allen Mitgliedsstaaten für drahtlose Internetdienste zur Verfügung stehen, beschloss der zuständige EU-Ministerrat. Das sogenannte „Radio Spectrum Policy Programme“ gilt als wichtiger Baustein für die Errichtung eines einheitlichen Marktes der digitalen Breitbanddienste, von dem die rund 500 Millionen Verbraucher in der EU profitieren sollen.

Weitere Infos: 
www.mobilebusinessbriefing.com/articles/18724/

Höhere Abgaben für Kopien von geschützten Inhalten auf Smartphones

Auf die Käufer von Handys und vor allem Smartphones kommen möglicherweise höhere Kosten zu. Die „Zentralstelle für private Überspielungsrechte“ hat angekündigt, dass die sogenannte Kopierabgabe, mit der legale Kopien geschützter Inhalte durch die Handynutzer einmalig beim Gerätekauf abgegolten wird, auf bis zu 36 Euro für Smartphones steigen solle. Die bisher geltenden Kopierabgaben für Touchscreengeräte liegen bei 11 Euro und 4 Euro für Mobiltelefone ohne Touchscreen plus Umsatzsteuer. Gegen diese Pläne protestieren Industrie und Branchenverbände, da die auf Handys gespeicherten Inhalte größtenteils bereits lizenziert oder aus anderen Gründen nicht abgabenrelevant seien.

Weitere Infos: 
www.telecom-handel.de/News/Mobilfunk/Kopierabgabe-Smartphones-bald-deutlich-teurer
www.golem.de/1110/87366.html

Mobilfunk und Internet demnächst auch von den Stadtwerken?

Regionale Kabelnetzbetreiber, darunter zahlreiche Stadtwerke, planen eigene Mobilfunkangebote. Dazu nutzen sie das vorhandene Netz eines Mobilfunknetzbetreibers. Die Regional- und City-Carrier wollen mit speziellen Bündelangeboten aus Festnetztelefonie, Internetzugang und Mobilfunk um Kunden werben. Für die Verbraucher wird das Angebot an Tarifen und Dienstleistungen damit vielseitiger – aber auch schwerer durchschaubar.

Weitere Infos: 
www.brekoverband.de/adjx6nfuhimebreko...l39942.html

IZMF-Nachrichten

Das IZMF stiftet dem Museum für Kommunikation in Frankfurt ein Kunstwerk von Michael Mattern

Das „Wissenschaftsbild Mobilfunk“ – ein Werk, das der Künstler Michael Mattern in diesem Sommer gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen geschaffen hat – wurde am 26. Oktober vom IZMF dem Museum für Kommunikation in Frankfurt gestiftet. Das Kunstwerk entstand beim Wissenschaftssommer 2011 in Mainz aus technischen Zeichnungen und Konstruktionsanleitungen für Handymodelle. Michael Mattern (www.art-mattern.de) reflektiert und analysiert in seinem Werk moderne Technik und Elektronik. Im Museum für Kommunikation wird das Bild ausgestellt und anschließend in die umfangreiche Sammlung des Museums aufgenommen, wo es in Führungen und im Onlinekatalog besichtigt werden kann.

Weitere Infos: 
www.izmf.de/node/101566