Ausgabe 92 | Januar 2012

Mobiles Leben und Techniktrends

Studien: Fahren mit Freisprechanlage so gefährlich wie Handy am Steuer

„Am Steuer nur mit Freisprecheinrichtung“ – diese Bestimmung kennen fast alle Autofahrer. Aber selbst wer pflichtbewusst das Headset oder die eingebaute Anlage benutzt, fährt nicht unbedingt sicherer als derjenige, der sein Handy in der Hand hält. Dies belegen zwei Studien aus Kanada und Australien. Danach war die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall vierfach höher, wenn der Fahrer telefonierte – ob mit oder ohne Freisprecheinrichtung spielte keine Rolle. Dies bestätigt frühere Studien, bei denen Testpersonen in Kernspintomografen beobachtet wurden, während sie eine Autofahrt simulierten. Im Gegensatz zu den Fahrern, die nicht in ein Gespräch verwickelt waren, setzten die mit Freisprecheinrichtung telefonierenden Probanden 37 Prozent ihres Gehirns weniger ein. Aufgrund derartiger Befunde hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB jetzt empfohlen, das Telefonieren beim Fahren auch per Freisprechanlagen zu verbieten. Verschiedene US-Bundesstaaten untersagen schon heute jeglichen Gebrauch von Mobiltelefonen während des Steuerns.

Weitere Infos: 
www.net-tribune.de/Studien-so-gefaehrlich-wie-Handy-am-Steuer
cellphones.lovetoknow.com/Laws_on_Talking_on ... Driving

Die SIM-Karte lernt funken: NFC-Chip soll neuartige Anwendungen ermöglichen

Die sogenannten SIM-Karten (Subscriber Identity Module), die in Handys, Smartphones oder Tablet-PCs zur Identifizierung der Mobilfunkkunden dienen, sollen schon bald zusätzliche Funktionen erhalten. Darauf einigten sich die weltweit führenden Mobilfunknetzbetreiber, die im internationalen Branchenverband GSM-Association (GSMA) zusammengeschlossen sind. Die Unternehmen wollen die SIM-Karten mit einem zusätzlichen Chip für die sogenannte „Near Field Communication“ (NFC) ausrüsten. Dies ist ein Funk-Standard, der den drahtlosen Datenaustausch zwischen den Chips und anderen Geräten ermöglicht. NFC-Dienste sind zum Beispiel bargeldlose Zahlungssysteme für Tickets oder Automaten. Um die Entwicklung entsprechender Dienste und Geräte zu ermöglichen, hat die GSMA jetzt eine Reihe von Industrie-Spezifikationen veröffentlicht.

Weitere Infos:
www.gsma.com/articles/mobile-nfc-gains-momentum ... sim-based-solution/20870

 
Touchscreens zum Fühlen

Bisher ist die Benutzung von Tablet-Computern mit Touchscreens für Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen kaum möglich. Tastatur- und Symbole können darauf nicht ertastet werden. Dies könnte bald schon mithilfe finnischer Forscher der Vergangenheit angehören. Entwickler des Technologie-Unternehmens Senseg haben eine Touchscreen-Technologie vorgestellt, bei der sich Informationen nicht nur ablesen, sondern auch ertasten lassen. Dafür wurden auf einem handelsüblichen Touchpanel transparente Elektroden angebracht. Mithilfe unterschiedlicher Ströme und Frequenzen gelang es den Forschern, auf dem glatten Glas verschiedene Sinneseindrücke wie „raue Oberfläche“ oder „klebrig“ zu erzeugen, die mit den Fingerkuppen gefühlt werden können. Auch der amerikanische Disney-Konzern arbeitet an der Entwicklung „befühlbarer“ Touchscreens, indem einzelne Elemente oder sogar Farben durch Vibrationen beim Berühren hervorgehoben werden. Die „Elektrovibration“ genannte Technik könnte künftig die Entwicklung „blind“ bedienbarer Touchscreens oder ertastbarer Tastaturen auf einem Touchscreen ermöglichen.

Weitere Infos:
www.disneyresearch.com/research/projects/hci_teslatouch_drp.htm
senseg.com/technology/senseg-technology

Umwelt und Gesundheit

Studie findet keinen Beleg für Zusammenhang von gesundheitlichen Beschwerden und elektromagnetischen Feldern

Im Zusammenhang mit Mobilfunk-Sendeanlagen, aber auch mit dem Gebrauch von Handys, werden immer wieder vielfältige gesundheitliche Beschwerden bis hin zum Auftreten von Tinnitus genannt. Schweizer Wissenschaftler haben nun anhand genauer Handy-Nutzungsdaten und Messwerte einen möglichen Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Beschwerden und Mobilfunkstrahlung untersucht. An der 2008 begonnenen Kohortenstudie nahmen 1.375 zufällig ausgewählte Einwohner von Basel teil, die den Forschern Zugriff auf ihre Handy-Nutzungsdaten erlaubten. Auf diese Weise konnte ein genauer Bezug zur Nutzungsintensität und zu möglichen gesundheitlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitverlust, Energie- oder Konzentrations-Mangel hergestellt werden. Die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Kohortenstudie am Baseler Tropen- und Public-Health-Institut konnte keinen Zusammenhang zwischen Handygebrauch, elektromagnetischen Feldern und unspezifischen gesundheitlichen Beschwerden oder Tinnitus feststellen.

Weitere Infos: 
www.emf-portal.de/viewer.php?l=g&aid=19686

Verbraucherportal VIS Bayern mit aktuellen Informationen rund um den Mobilfunk

Wie groß sind die Auswirkungen der Strahlenbelastung durch Mobilfunkmasten wirklich? Strahlt ein eingeschaltetes Handy ständig? Was versteht man unter dem „SAR"-Wert? Fragen wie diese beantwortet anschaulich das Verbraucherportal VIS Bayern. Es wird von der bayerischen Staatsregierung unter Beteiligung mehrerer bayerischer Ministerien betrieben. Die Artikel informieren über Themen wie Schnurlos-Telefone, Gesundheits- und Technikfragen rund um Mobilfunknetze sowie zum Gebrauch von Handys. Mit Grafiken und kurzen Texten werden die fachlichen Hintergründe erklärt. Darüber hinaus enthalten die Beiträge Links zu Broschüren und weiterführenden Informationen.

Weitere Infos:
www.vis.bayern.de/...mobilfunk_telefon/faq_handy.htm

Artenschutz mit Mobilfunkmasten – Turmfalken erfolgreich angesiedelt

Weil immer mehr konventionelle Türme von Kirchen oder Burgen vergittert werden, gehen Vogelarten wie dem Turmfalken vielerorts die Nistplätze aus. Diese Greifvögel benötigen hochgelegene Refugien, weil sie von dort aus leichter ihre Beute finden. In der Stadt Schlüsselfeld am südwestlichen Rand des oberfränkischen Landkreises Bamberg ist es Mitarbeitern der Initiative Artenschutz in Franken jetzt gelungen, Turmfalken auf einem 40 Meter hohen Mobilfunkmast anzusiedeln. Ein erstes Turmfalkenpaar hat die in luftiger Höhe angebrachte Nisthilfe angenommen und erfolgreich Nachwuchs aufgezogen. Sendemasten seien als exponierte Nistplätze für Turmfalken bestens geeignet, wenn sie in der richtigen Umgebung stehen. Damit könnten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der allmählich bedrohten Vogelart leisten, so ein ehrenamtlicher Artenschützer. Probleme mit der Gesundheit der Tiere seien bei ähnlichen Projekten nie beobachtet worden.

Weitere Infos:
www.infranken.de/nachrichten/...art215,225357

Kenia: Wenn Löwen SMS senden

Die Überwachung bedrohter Tierarten ist häufig entweder sehr teuer oder logistisch zu aufwendig. Dagegen erlauben Mobilfunknetze einfache und kostengünstige Lösung, wie ein Projekt zur Überwachung der letzten rund 2.000 wild lebenden Löwen im Süden Kenias zeigt. Das Land gehört zu den am besten mit GSM-Mobilfunknetzen versorgten Ländern in Afrika. Entwickler der New Yorker Forschungsfirma Ground Lab rüsteten gemeinsam mit den Tierschutzorganisationen „Living with Lions“ und „Lion Guardians“ kenianische Löwen mit Halsbändern aus, die einen GPS-Empfänger und ein GSM-Mobilfunkmodul enthalten. Die Bewegungsdaten der Tiere werden durch einfache SMS übermittelt, sodass die Tierpfleger stets über den Aufenthaltsort der Raubtiere informiert sind. Das System soll gleichzeitig helfen, die Vieherden der Massai-Bevölkerung zu schützen.

Weitere Infos:
home.groundlab.cc/lioncollars.html
www.heise.de/tr/artikel/Arterhaltung-per-SMS-1399192.html

Politik und Recht

Warteschleifen sollen kostenlos werden – kürzere Vertragslaufzeiten für Telefonkunden

Mobilfunk- und Telekommunikationskunden können ab Mitte 2012 mit einer Reihe von Verbesserungen rechnen – wenn das neue Telekommunikationsgesetz (TKG) rechtzeitig in Kraft tritt. Denn derzeit fehlt noch die Zustimmung des Bundesrats. Das neue TKG sieht vor, dass die Wartezeit bei Service- und Mehrwertdienste-Rufnummern für die Verbraucher künftig kostenlos sein soll. Zur vollständigen Umsetzung dieser Änderung wird den Unternehmen eine zwölfmonatige Übergangsfrist eingeräumt. Zunächst sollen daher nur die ersten beiden Minuten kostenlos sein - vier Monate nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist. Weitere geplante Änderungen betreffen Erleichterungen beim Wechsel des Telefonanbieters. Die Telefon- oder Internetversorgung darf in Zukunft höchstens für einen Kalendertag unterbrochen sein. Ebenso müssen die Anbieter sicherstellen, dass die Kunden ihre Rufnummer zum neuen Anbieter mitnehmen können. Statt der bisher meist 24-monatigen Vertragslaufzeiten sollen die Anbieter zudem auch kürzere Mobilfunk-Verträge von nur 12 Monaten anbieten. Einigen sich Bund und Länder in den strittigen Fragen, kann das Gesetz nach Einschätzung des Branchenverbandes BITKOM frühestens zum 1. März umgesetzt werden.

Weitere Infos:
www.inside-handy.de/news...telekommunikationsgesetzes-2012
www.connect.de/news/telekommunikationsgesetz-das-aendert-sich-2012-1226994,184.html

Wirtschaft

LTE-Ausbau schreitet zügig voran - jetzt auch Versorgungsauflage in Schleswig-Holstein erfüllt

Auch in Schleswig-Holstein haben die Mobilfunknetzbetreiber, die Lizenzen zum Betrieb der neuen LTE-Mobilfunknetze (LTE = Long Term Evolution) ersteigert haben, ihre Versorgungsauflagen erfüllt. Bisher konnten die Unternehmen schon in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Auflagen umsetzen. Bei der Ersteigerung der Lizenzen für die Breitbandnetze der vierten Mobilfunkgeneration (4G) haben sich die Mobilfunknetzbetreiber verpflichtet, zuerst Städte und Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern mit den schnellen Handynetzen im 800-MHz-Bereich zu versorgen. Damit soll den Menschen in diesen Gebieten ein schneller Internetzugang per Mobilfunk ermöglicht werden. Sobald diese Versorgungsauflage erfüllt ist, können die Netzbetreiber die Frequenzen in dem jeweiligen Bundesland frei nutzen.

Weitere Infos:
www.ltemobile.de/news/...auch-in-schleswig-holstein-erfuellt/

Kunden bleiben ihrer Handy- und Smartphone-Marke häufig treu

Deutsche Handy- und Smartphonenutzer halten ihrer Marke oft die Treue, fand die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) heraus. Wer sich an die Bedienung seines Handys gewöhnt habe, wechsle bei einer Neuanschaffung nur ungern die Marke, so die GfK. Die Hürde sei nahezu gleich groß wie der Wechsel zu einer neuen Bank, fanden die Verbraucherforscher heraus. Ein Grund: Etwa zehn Prozent der Verbraucher scheuen die technischen Schwierigkeiten beim Hersteller-Wechsel und fürchten, ihre Daten, Kontakte oder Bilder nicht übertragen zu können.

Weitere Infos:
www.inside-handy.de/news/23515-marken-wechsel-sehr-schwierig-deutsche-smartphone-nutzer-sind-treu

Zweitmarken der Mobilfunkunternehmen wachsen in der Beliebtheit

Bei der Wahl ihres Mobilfunkanbieters greifen die deutschen Verbraucher immer häufiger zu sogenannten „No-frills-Marken“, die meist besonders günstig sind. Im Jahr 2010 nutzten bereits 21,9 Prozent der Mobilfunkkunden diese oft als Zweitmarken der vier großen Netzbetreiber angebotenen Tarife. Damit hat sich ihr Anteil nach Berechnungen der Bundesnetzagentur im Vergleich zum Jahr 2009 um ein Fünftel auf 17,9 Prozent erhöht. Die Kundenanteile der Erstmarken der Mobilfunknetzbetreiber sanken dagegen im selben Zeitraum von 59,8 Prozent (2009) auf 57,5 Prozent (2010). Auch die unabhängigen Service- Provider verloren Kundenanteile (2009: 22,2 Prozent; 2010: 20,6 Prozent). Insgesamt betrug die Teilnehmerzahl im Mobilfunk im Jahr 2010 ca. 109 Millionen, (2009: 108 Mio.), berichtet die Bundesnetzagentur.

Weitere Infos:
www.bundesnetzagentur.de/...ZweitmarkenMobilfunknetzbetreiber.65116

IZMF-Nachrichten

Das IZMF präsentiert das Schulprojekt Mobilfunk auf der didacta 2012 in Hannover

Das Informationszentrum Mobilfunk e. V. (IZMF) ist seit dem Jahr 2006 als Aussteller auf der didacta vertreten und wird im Februar 2012 das Schulprojekt Mobilfunk präsentieren. Am IZMF-Stand (Halle 15, Standnummer E 60) warten kostenlose Publikationen und Unterrichtsmaterialien, Experimente mit dem Handy und Fachworkshops auf die Besucher.

Weitere Infos:
www.izmf.de/.../101571