Ausgabe 94 | März 2012

Mobiles Leben und Techniktrends

Studie: Fast ein Viertel der Deutschen nutzt mobile Internetportale und Medien

Immer mehr Deutsche nutzen Online-Medien per Smartphone oder Tablet. Das geht aus den aktuellen Zugriffszahlen auf die beliebtesten Medien- und Infoportale des mobilen Internets hervor, die die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) jetzt veröffentlicht hat. Demnach hat das mobile Internet in Deutschland eine Reichweite von 24 Prozent erreicht. Das bedeutet, dass monatlich fast 17 Millionen Menschen Zeitungen, Wetter-, Sport- und sonstige Infoportale auf ihren Smartphones aufrufen.

Weitere Infos: 
www.meedia.de/internet/bildde-und-spiegel-auch-smartphone-koenige/2012/03/15.html

Frauen und Familien in Entwicklungsländern durch Handys stärken

Die Verfügbarkeit von Mobiltelefonen ist häufig ein Schlüssel zum Aufbau wirtschaftlicher Strukturen in Entwicklungsländern. So gibt es viele Beispiele dafür, dass Frauen, die in diesen Regionen über ein eigenes Handy verfügen, durch unternehmerische Tätigkeiten und bessere Information die Situation ihrer Familien verbessern können. Allerdings zeigt eine Umfrage unter 2.500 Frauen aus Indien, Ägypten, Papua-Neuguinea und Uganda, dass 74 Prozent der verheirateten Frauen in diesen Ländern auf Mobiltelefone verzichteten. Als Gründe wird unter anderem angegeben, dass die Ehemänner dies wünschten, oder die Technik zu kompliziert sei. Mit der von US-Außenministerin Hillary Clinton gestarteten Initiative mWomen will der internationale Verband der Mobilfunkbetreiber (GSMA) jetzt die Versorgung von Frauen in diesen Ländern mit Handys verbessern. Das Programm will bis 2014 die Quote der Frauen, die auf ein Handy verzichteten, auf 50 Prozent senken. Rund 150 Millionen Frauen in Entwicklungsländern soll durch das von zahlreichen internationalen Stiftungen und Unternehmen unterstützte Projekt der Zugang zum Mobilfunk ermöglicht werden.

Weitere Infos: 
www.mwomen.org/wiki/GSMA_mWomen_Programme

Umwelt und Gesundheit

femu-Forschungsbericht 2011 erschienen

Für Wissenschaftler und interessierte Laien, die sich über den aktuellen Stand der Forschung zu nicht ionisierenden elektromagnetischen Feldern –  wie sie auch im Mobilfunk Anwendung finden – informieren möchten, ist das „EMF-Portal“ des Forschungszentrums für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu) eine wertvolle Quelle. In seinem jetzt erschienenen Jahresbericht informiert das Zentrum über die verschiedenen Forschungsschwerpunkte des Jahres 2011. Das femu bearbeitet seit über zehn Jahren Fragen der gesundheitlichen Auswirkung nicht ionisierender elektromagnetischer Felder (EMF). Der Jahresbericht kann auf der Homepage des femu heruntergeladen werden.

Weitere Infos: 
www.femu.de/publikationen.php?l=g

Smartphones steigern Effizienz bei der Seuchen-Bekämpfung in Kenia

Bei der Überwachung von Seuchen können Smartphones ein kostensenkendes und effizientes Hilfsmittel sein. Dort, wo schnell viele Daten gesammelt und ausgewertet werden müssen, sind entsprechende Smartphone-Apps konventionellen Papier-Fragebögen überlegen. Experten des Centers for Disease Control and Prevention und des Gesundheitsministeriums in Kenia verglichen die Erfassung von Patienteninterviews in vier Seuchengebieten mittels Apps sowie mittels Fragebögen. Die digitale Datensammlung habe die Qualität der Informationen deutlich verbessert, die Fehlerquote reduziert und den Ärzten die Möglichkeit gegeben, schneller zu handeln, berichteten die Forscher aus dem ostafrikanischen Land. Außerdem sei viel Papier gespart worden, das in Ländern wie Kenia eine besonders knappe und teure Ressource ist.

Weitere Infos: 
www.cdc.gov/media/releases/2012/p0312_smartphone.html

US-Wissenschaftler finden keine Bestätigung für stark erhöhtes Gliom-Risiko bei Handynutzern

Wissenschaftler des National Cancer Institute in Rockville im US-Bundesstaat Maryland haben die Ergebnisse der 2010 veröffentlichten Interphone-Krebsstudie sowie einer 2011 publizierten Studie des schwedischen Krebsforschers Lennart Hardell mit den Daten US-amerikanischer Krankenregister verglichen. Die Forscher zogen für ihre Studie mit dem Titel „Mobile phone use and glioma risk: comparison of epidemiological study results with incidence trends in the United States” die Krankenakten von 24.813 US-Bürgern heran. Ausgehend von der Risikobewertung in den beiden genannten Studien, erwarteten die US-Forscher in den US-Statistiken einen Anstieg bei Gliom-Erkrankungsraten von bis zu 40 Prozent. Tatsächlich belegen die Krankenakten keinen solchen Anstieg. So blieb das Auftreten von Gliomen in den USA zwischen 1992 und 2008 praktisch unverändert. Die Forscher stellen daher fest, dass sich insbesondere die von Hardell errechnete starke Zunahme von Erkrankungen aufgrund eines höheren Risikos bei Mobilfunk-Langzeitnutzern nicht mit den Fallzahlen in den USA bestätigen lasse. Dagegen fanden die US-Forscher Hinweise auf Übereinstimmungen zwischen den moderaten Aussagen der Interphone-Studie bezogen auf Intensiv- und Langzeitnutzer von Mobiltelefonen und den Entwicklungen der Gliom-Fallzahlen in den USA.

Weitere Infos: 
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3297541/

Recht und Politik

EU-Regulierer: Verstöße gegen die Netzneutralität weit verbreitet

Viele Telekommunikationsfirmen verstoßen gegen das Prinzip des offenen Internets beziehungsweise die Netzneutralität. Das geht aus einer Studie hervor, deren erste Ergebnisse nun das Gremium europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (BEREC) bekanntgegeben hat. Demnach seien die Blockade oder das Verlangsamen von Peer-to-Peer-Verkehr (P2P) sowie von Internet-Telefonaten via Voice over IP (VoIP) weit verbreitet. Letzteres betreffe vor allem den Mobilfunk. Um die Sperren einzurichten, setzten die Provider in der Regel umstrittene Techniken zum Durchleuchten des gesamten Netzverkehrs in Form von „Deep Packet Inspection" (DPI) ein.

Die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes hatte die Untersuchung vor einem knappen Jahr in Auftrag gegeben, um einen möglichen Handlungsbedarf auszuloten. An der Umfrage beteiligten sich nach Angaben der BEREC rund 250 Festnetz- und 150 Mobilfunkanbieter. Auch einige Verbraucherschutzorganisationen und Wirtschaftsverbände sowie eine Handvoll Privatpersonen hätten Eingaben gemacht. Die abschließenden Resultate sollen im zweiten Quartal des Jahres veröffentlicht werden. Auf ihrer Basis will neben der Kommission gegebenenfalls auch der EU-Rat Leitlinien zur Netzneutralität vorschlagen.

Weitere Infos: 
berec.europa.eu/doc/2012/TMI_press_release.pdf

Ab Juli neue Preisobergrenzen für grenzüberschreitende Telefonate, SMS und Surfen im Netz

Ab Juli gelten strengere EU-Vorgaben für die Tarifobergrenzen für die Mobilfunknutzung im EU-Ausland (Roaming). Erstmals gibt es auch für das Datenroaming gedeckelte Endkundenpreise. Dies sieht eine Neuregelung vor, die der Industrieausschuss des Europaparlaments in Brüssel verabschiedet hat.

So sollen sich die Preise für das mobile Herunterladen von Daten jenseits der nationalen Landesgrenze ab Juli 2012 auf 50 Cent pro Megabyte begrenzen. Ab Juli 2014 sollen dann maximal 20 Cent fällig werden. Für das Verschicken von SMS aus einem anderen EU-Land sollen die Zuschläge ab Juli 2012 nur noch maximal 8 Cent betragen, ab 2014 dann 5 Cent. Für Handygespräche sollen die Roaming-Gebühren ab Juli 2012 für ein angenommenes Gespräch 8 und einen selbst getätigten Anruf 25 Cent betragen, ab Juli 2014 nur noch 5 und 15 Cent.

Weitere Infos: 
www.teltarif.de/eu-roaming-verordnung-industrieausschuss-plaene-mobiles-internet/news/45867.html

US-Bürgerrechtler fordern „Bill of Rights“ für Smartphone-Nutzer

Immer mehr Menschen sind durch Smartphones ständig mit dem Internet verbunden. Das kann sehr nützlich sein, bedeutet aber auch Risiken. Daher fordert die US-Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation (EFF) jetzt eine „Bill of Rights“ für Smartphone-Nutzer. Mit ihr sollen bestimmte unveräußerliche Grundrechte definiert werden. Vorbild ist die Grundrechte-Erklärung der Verfassung der Vereinigten Staaten. Sie sichert den Bürgern auf der Basis von Werten der Aufklärung unveräußerliche Freiheitsrechte zu. Die „Bill of Rights“ für Smartphone-Nutzer benennt nun sechs Themenfelder – von der Selbstkontrolle persönlicher Daten, über den Verzicht auf unkontrollierte Datensammlung bis zur Forderung nach mehr Transparenz – als schützenswerte Bereiche. Um die informelle Selbstbestimmung der Nutzer sicherzustellen, schlägt die EFF vor, in mobile Betriebssysteme eine sogenannte Do-not-track-Funktion einzubauen, mit der das Nachverfolgen von Aktivitäten unterbunden wird.

Weitere Infos: 
www.eff.org/deeplinks/2012/03/best-practices-respect-mobile-user-bill-rights

Wirtschaft

Mehr Handy-Telefonate – aber nur 12 Prozent der Haushalte nutzen ausschließlich Mobilfunk

Fast 60 Stunden verbringt  jeder Bürger statistisch gesehen pro Jahr am Telefon. Allerdings wird immer weniger über das Festnetz und dafür häufiger mit dem Handy telefoniert. Das meldet der Branchenverband BITKOM auf Basis aktueller Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA). Danach stieg von 2009 auf 2010 die Summe der aus dem Mobilfunk abgehenden Gesprächsminuten um rund zehn Prozent. Dagegen nahm die Festnetztelefonie im vergangenen Jahr laut BNetzA um zwei Prozent auf 191 Milliarden Gesprächsminuten ab. Der Rückgang verlaufe in Deutschland jedoch langsamer als in anderen Ländern, so der BITKOM. Nur wenige Deutsche wollen auf das Festnetz komplett verzichten. Lediglich zwölf Prozent der Haushalte telefoniere ausschließlich mit dem Handy. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf den hinteren Rängen.

Weitere Infos: 
www.bitkom.org/de/presse/8477_71274.aspx

Studie: Smartphones steigern Handyabsatz in Europa

Fast die Hälfte aller in Europa neu gekauften Mobiltelefone sind Smartphones. Das zeigt das aktuelle Handelspanel des Marktforschungsunternehmens GfK. 2011 wurden in Europa laut GfK 258 Millionen Handys verkauft – ein Plus von 3,2 Prozent.  Der Anteil von Smartphones lag dabei 2011 bei 36 Prozent, 2010 waren es im Vergleich nur 22 Prozent. Der größte europäische Markt für die vielseitigen Mobilgeräte ist derzeit Großbritannien. Dahinter liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Weitere Infos: 
www.gfk.com/group/press_.../index.de.html

IZMF-Nachrichten

IZMF veröffentlicht Tätigkeitsbericht für 2011

Das Informationszentrum Mobilfunk e. V. (IZMF) hat seinen Tätigkeitsbericht für 2011 veröffentlicht. Der Bericht führt detailliert auf, welche Projekte und Aktivitäten das IZMF im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Der vollständige Tätigkeitsbericht kann auf der Homepage des IZMF eingesehen oder kostenlos bestellt werden.

Weitere Infos: 
www.izmf.de/de/content/izmf-stellt-seine-arbeit-aus-dem-jahr-2011-vor

IZMF bei der SRA Europe Conference in Zürich

Vom 18. bis 20. Juni 2012 findet die jährliche Konferenz der Society for Risk Analysis Europe (SRA Europe) statt. Die Veranstaltung wird an der Technischen Hochschule ETH Zürich durchgeführt und richtet sich an Forscher und Experten im Bereich Risikoanalyse. Die Konferenz widmet sich dem Schwerpunktthema „Risk and Society: Decisions & Responsibilities“. Vor Ort wird das IZMF Ergebnisse einer internationalen Umfrage unter Mobilfunknutzern zum Thema SAR (Spezifische Absorptionsrate) vorstellen. 

Weitere Infos: 
www.izmf.de/de/content/sra-europe-conference