Ein Handy nach Omas Geschmack

Auch Senioren telefonieren heute immer öfter mobil. Darauf hat sich der Handymarkt eingerichtet und bietet spezielle „Senioren-Handys“ an, um älteren Menschen die Bedienung zu erleichtern. Mit den bislang verfügbaren Modellen funktioniert dies allerdings eher schlecht als recht, fand der 14-jährige Raik Torgau. Nachdem er sich oft darüber geärgert hatte, dass seine Oma nie ans Telefon geht, wollte er den Grund herausfinden und nahm ihr Senioren-Handy genauer unter die Lupe. Sein Fazit: „Die Telefone verfügen zwar über extra große Tasten, sind aber ansonsten viel zu kompliziert“.

Damit war der Forscherdrang von Raik Torgau geweckt: Warum nicht selbst ein Modell für ein seniorengerechtes Mobiltelefon entwerfen? „Mein Ziel war ein Handy, das zwar auch ganz neue Technologie nutzt, aber ohne den üblichen Schnick-Schnack, mit dem ältere Menschen in der Regel nichts anfangen können“, erklärt der Schüler, der das Südstadt-Gymnasium in Halle besucht. Sein „ultimatives Senioren-Handy“ ist jedoch nicht einfach die abgespeckte Variante eines Multifunktions-Handys, die sich rein aufs Telefonieren beschränkt. Es verfügt vielmehr über zahlreiche Extras, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt sind. Das fängt schon bei der Ergonomie an. „Das Gehäuse meines Handys ist mit mehreren Griffmulden ausgestattet, damit das Telefon nicht so einfach aus der Hand rutschen kann“, erklärt Raik Torgau. Statt kleiner Tasten, die das Eintippen von Namen oder Zahlen zu einer mühsamen Angelegenheit machen können, sorgt ein großzügiger Touchscreen für den nötigen Bedienkomfort.

Auch hinsichtlich seiner „inneren Werte“ unterscheidet sich das Senioren-Handy deutlich von einem Standard-Modell: SMS, Kamera oder Spiele sucht man in der Menüführung vergebens. Stattdessen hat Raik Torgau sich einige Zusatzfunktionen überlegt, die Senioren im Alltag hilfreich unterstützen können. Es gibt eine Lupen-Funktion, die das Lesen kleiner Schriften oder Zahlen erleichtert. Darüber hinaus hat der junge Tüftler sein Handy mit einer Medizin-App ausgestattet. Sie erinnert beispielsweise einen Diabetiker daran, dass es Zeit für die nächste Insulin-Spritze wird. Bei kleineren Verletzungen oder bei Unwohlsein kann man sich bei der Verletzungs-App Ratschläge zu Behandlungsmöglichkeiten holen. Für Notfälle verfügt das Telefon über einen SOS-Knopf, mit dem die Senioren schnell einen Hilferuf absetzen können.

Mit Hilfe einer Kunststoff-Schneidemaschine hat der Gymnasiast bereits ein Modell seines Senioren-Handys gebaut und am Computer die Menüführung entworfen. Damit überzeugte er nicht nur die Jury beim Landeswettbewerb „Schüler experimentieren“, sondern auch die eigentliche Zielgruppe: „Ich habe meine Entwicklung natürlich auch meiner Oma und deren Bekannten gezeigt – die waren alle begeistert“, freut sich Raik Torgau. Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass seine Ideen in die Produktentwicklung der Handyhersteller einfließen. Dann wäre wohl auch endlich seine Oma leichter mobil erreichbar.

Stand: April 2012