Gefahrgutinformationen per Funk übertragen

Verkehrsunfälle mit Gefahrguttransportern sind für Rettungskräfte und Feuerwehr besonders heikel: Um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können und sich dabei nicht selbst in Gefahr zu bringen, benötigen die Einsatzkräfte genaue Informationen über Art und Umfang der Ladung. Befinden sich leicht entzündliche Stoffe oder giftige Substanzen an Bord, sind daher entsprechende Ladepapiere im Fahrzeug hinterlegt. Diese enthalten neben der UN-Nummer – einer Kennzeichnung für Gefahrstoffe – auch Angaben zum Hersteller und der Liefermenge.  „Um sich diese Papiere zu beschaffen, müssen die Feuerwehrleute aber erst einmal an das Fahrzeug herankommen“, gibt der 19-jährige Timo Renner zu bedenken. Doch genau das ist oftmals leichter gesagt als getan. „Das geht nur mit der entsprechenden Schutzausrüstung – und gerade kleinere Standorte verfügen nicht immer über so ein spezielles Equipment und müssen erst Verstärkung aus anderen Wachen anfordern, bevor sie überhaupt handeln können“. Dabei geht oft viel wertvolle Zeit verloren – zu viel, fand der Auszubildende und überlegte sich, wie man das System optimieren könnte.

Die Lösung klingt viel versprechend: Per Funk werden die Begleitinformationen direkt aus dem Fahrzeug an die Feuerwehr vor Ort übertragen. Gemeinsam mit Nils Heise und Dennis Plettenberg, mit denen er bei der Mahr GmbH in Göttingen die Ausbildung zum Elektriker für Geräte und Systeme macht, hat Timo Renner zu diesem Zweck ein Funkmodul entwickelt. Das Team hat dabei den gesamten Systemaufbau selbst realisiert – von der Leiterplatte bis zur Programmierung des Controllers. „Unser Modul wird an den Unfalldatenschreiber des LKWs gekoppelt“, erklärt Timo Renner. Die meisten LKWs verfügen über eine solche „Black Box“, die Daten wie Beschleunigung, Bewegungsrichtung und Bremsaktivitäten aufzeichnet. Bevor der LKW seine Fahrt antritt, werden die Begleitinformationen zum Gefahrgut in dem Funkmodul gespeichert. Kommt es  unterwegs zu einem Unfall, wird dank der Verbindung zur Black Box automatisch der Befehl ausgelöst, die Daten zu versenden. Die Feuerwehr vor Ort kann dann mit einem entsprechenden Empfänger die Informationen auf ihrem Rechner abrufen und weiß sofort, mit welchem Gefahrstoff sie es zu tun hat.

„Wir benutzen im Moment ein 868-Megahertz-Funkmodul, das eine Reichweite von ungefähr 60 bis 70 Meter hat“ sagt Timo Renner. „Da der Absperr-Radius der Feuerwehr in der Regel  50 Meter beträgt, passt das ganz gut“. Gleichwohl überlegen die Nachwuchsforscher, zukünftig ein Funkmodul mit einer höheren Reichweite einzusetzen. Denn passiert der Unfall beispielsweise in einem Tunnel, sollten die Daten natürlich auch noch außerhalb empfangen werden können.

Ihre Erfindung haben die angehenden Elektriker kürzlich bei der Berufsfeuerwehr in Göttingen anhand eines Modellaufbaus vorgestellt – und stießen auf offene Ohren. „Es hat uns natürlich bestärkt, dass unsere Entwicklung dort so gut aufgenommen wurde“, freut sich Timo Renner. Ein Motivationsschub dürfte für das Trio auch der Erfolg beim Jugend-forscht-Wettbewerb gewesen sein. Schon zum zweiten Mal in Folge konnten die jungen Tüftler die Jury überzeugen: 2011 hatten sie digitale Rettungskarten auf Basis eines Barcodes entwickelt, mit dessen Hilfe Einsatzkräfte schnell wichtige Informationen über ein verunfalltes Fahrzeug auslesen können. Auch für diese Idee erhielten sie den Sonderpreis Mobilfunk.