Welche Rolle spielt Mobilfunk als Wirtschaftsfaktor?

Mobilfunk ist eine dynamische Technologie. In kaum einem anderen Wirtschaftszweig kommen neue Produkte schneller auf den Markt und sind die Innovationszyklen kürzer. Der Mobilfunk war damit im zurückliegenden Jahrzehnt der stärkste Wachstumsmotor im Telekommunikationsmarkt. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland steigert.

Die Menschen werden mobiler und mit ihnen die Kommunikation. Statistisch betrachtet besitzt heute jeder Einwohner mehr als ein Handy: Mit über 110 Millionen Mobilfunkverträgen deutschlandweit kamen 2010 durchschnittlich auf jeden Bürger 1,3 Handys. 61 Millionen Deutsche – das sind 87 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren – telefonieren heute mobil. Besonders stark fiel der Zuwachs zuletzt in der Altersgruppe der Senioren aus: 72 Prozent der Bundesbürger ab 65 Jahren verfügten 2011 über einen Mobilfunkanschluss, 2010 waren es erst 61 Prozent.

Immer mehr Telefonate werden in Deutschland über Handy geführt. Das zeigen die regelmäßig veröffentlichten Marktzahlen der Bundesnetzagentur. Im Jahr 2009 fielen 94 Milliarden abgehende Gesprächsminuten an, 2010 stieg der Anteil um neun Prozent auf 102 Milliarden Minuten.

Der europaweite Trend zum völligen Verzicht auf einen Festnetzanschluss setzt sich nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom fort. 27 Prozent der Haushalte innerhalb der EU waren 2011 ausschließlich mobil erreichbar. 2008 lag der Anteil noch bei 24 Prozent.

Vom Telefon zum Allzweck-Gerät

Bei den meisten Handybesitzern in Deutschland dreht sich längst nicht mehr alles ums Telefonieren. Das Mobiltelefon hat sich zur universellen Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsplattform entwickelt: Hochwertige Geräte neuerer Generation – insbesondere Smartphones – sind Telefon, mobiles Büro, MP3-Player und Digitalkamera in einem.

Jeder Dritte organisiert mithilfe von Terminplaner-Funktionen seinen Alltag, 38 Prozent fotografieren mit ihrem Mobiltelefon. Jeder Vierte gibt an, mit seinem Handy Musik zu hören, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 56 Prozent. Auch Online-Spiele erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Diese Ergebnisse lieferte eine repräsentative BITKOM-Umfrage 2011. Das breite Angebot an Apps ermöglicht darüber hinaus ein individuell erweiterbares Portfolio an Zusatzfunktionen – vom Fahrtenbuch bis zum Restaurantführer. Bereits 11 Prozent der befragten Nutzer laden sich solche Mini-Programme für den betrieblichen oder privaten Gebrauch auf ihr Handy.

Ein Treiber für diese Entwicklungen ist unter anderem die zunehmende Verbreitung von Smartphones. Allein 2011 stieg der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent. Das ergab die Auswertung aktueller Daten des European Information Technology Observatory (EITO).

Mobiles Internet boomt

Immer mehr Handynutzer in Deutschland surfen mit ihrem Mobiltelefon im Internet. Fast jeder fünfte deutsche Internetnutzer in Deutschland (18 Prozent) ging 2011 regelmäßig mit seinem Handy oder Smartphone online – damit hat sich die Zahl der mobilen Surfer in nur einem Jahr nahezu verdoppelt. Für einen weiteren Wachstumsschub dürfte nach Ansicht von Branchenexperten der Ausbau des Mobilfunknetzes mit dem neuen LTE-Standard (Long-Term Evolution) sorgen. Die UMTS-Nachfolgetechnologie erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde. Mit dieser High-Speed-Datenübertragung lassen sich auch kompexe Inhalte wie Videos oder Spiele bequem über das Mobiltelefon abrufen. Abzuwarten bleibt, ob sich im Zuge des LTE-Ausbaus auch das mobile Fernsehen am Markt durchsetzen wird.

Stand: Januar 2014