Welche Sicherheits­maßnahmen gibt es beim Mobilfunk?

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Mobilfunkwellen gesundheitsschädlich sind oder nicht. Die Suche nach möglichen gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks wird seit Jahrzehnten intensiv betrieben. Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis möglicher Schädigung der Gesundheit oder des Wohlbefindens durch Funkwellen in einer Intensität, wie der Mobilfunk sie nutzt. Nach vorherrschender wissenschaftlicher Meinung sind die geltenden Grenzwerte daher ausreichend, um die Bevölkerung zuverlässig zu schützen.

Das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm

Ein wichtiger Grund für den Start des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (DMF) im Jahr 2002 war der Gesundheitsschutz. Das bisher größte und umfassendste deutsche Forschungsprojekt zu dieser Thematik wurde 2008 abgeschlossen. Insgesamt konnten 54 Forschungsprojekte zu Fragestellungen aus den Themenbereichen Biologie, Epidemiologie, Dosimetrie und Risikokommunikation unter der neutralen Aufsicht  des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) umgesetzt werden.

In ihrem Abschlussbericht stellt die Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundes 2008 fest, dass die „ursprünglichen Befürchtungen über gesundheitliche Risiken nicht bestätigt werden konnten. Es haben sich durch die Forschungsergebnisse des DMF auch keine neuen Hinweise auf bisher noch nicht bedachte gesundheitliche Auswirkungen ergeben.“

Bewertung durch die Weltgesundheitsorganisation

Die WHO hat im Juni 2011 ihr Faktenblatt 193 zu Elektromagnetischen Feldern und Mobiltelefonen aktualisiert und stellt darin fest, „dass bis heute keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit durch die Handy-Nutzung nachgewiesen wurden.“  Anlass der Aktualisierung war die Bewertung der Internationalen Agentur zur Erforschung von Krebserkrankungen (IARC), dem Krebsforschungs-Institut der WHO. Die IARC hat im Mai 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie u. a. der Mobilfunk nutzt, als „möglicherweise für Menschen krebserregend" eingestuft. Die IARC stellt in ihrem Bericht fest, dass sich aus Studien zu Mobilfunkbasisstationen keine Hinweise auf eine kanzerogene Wirkung hochfrequenter Felder ergeben haben. Die Einstufung bezieht sich auf die Handynutzung. Grundlage für die Klassifizierung sind epidemiologische Beobachtungen; diese konnten durch experimentelle Befunde nicht gestützt werden.

Sicherheitsabstände

Sicherheitsabstände dienen dem Schutz der Allgemeinbevölkerung. Durch sie wird sichergestellt, dass überall dort, wo sich Menschen dauerhaft aufhalten, die gültigen Grenzwerte für elektromagnetische Felder in jedem Fall eingehalten werden.

Wo gelten die Sicherheitsabstände?
Unmittelbar um die Antennen von Mobilfunksendeanlagen sind Sicherheitsabstände festgelegt. Diese werden von der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (Bundesnetzagentur) für jeden Antennenstandort individuell ermittelt. Die Berechnung berücksichtigt den Antennentyp und die Sendeleistung der Antenne. Die Sicherheitsabstände bei Mobilfunkbasisstationen betragen in der Waagerechten typischerweise zwischen 2 und 8 Meter. Im Vergleich dazu sind etwa bei leistungsstarken Rundfunk- und TV-Sendern Sicherheitsabstände bis zu mehreren 100 Metern einzuhalten.

Außerhalb des Sicherheitsabstandes werden die gültigen Grenzwerte für elektromagnetische Felder in jedem Fall unterschritten. Das heißt, hier kann man sich zeitlich unbegrenzt aufhalten, ohne Folgen für die Gesundheit befürchten zu müssen.

Der Abstand zu einer Mobilfunkanlage ist kein zuverlässiges Kriterium für die Abschätzung der Immissionen. Aufgrund der Abstrahlcharakteristik der Antennen und der topografischen Gegebenheiten vor Ort treten im unmittelbaren Nahbereich oft geringere Feldstärken auf als in größerer Entfernung. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die in unterschiedlichen Entfernungen ermittelten Leistungsflussdichten alle nur einen Bruchteil der gesetzlich geltenden Grenzwerte ausschöpfen.

Die Mobilfunknetzbetreiber sind dazu verpflichtet, alle Antennenstandorte besonders zu kennzeichnen und zu sichern. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass sich niemand versehentlich oder ohne Befugnis im Sicherheitsbereich einer Basisstation aufhalten kann.

Beim Gebrauch von Mobiltelefonen sind keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen zu beachten. Wegen der geringen Sendeleistung von maximal zwei Watt unterschreiten alle Mobiltelefone die Grenzwerte, ohne dass hierzu ein Sicherheitsabstand erforderlich ist. Sie können theoretisch rund um die Uhr genutzt werden, ohne dass gesundheitliche Risiken zu befürchten sind.

Sicherheit bei Implantaten

Auch Menschen, die Implantate wie Herzschrittmacher tragen, können Mobiltelefone nutzen. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät zu einem Sicherheitsabstand von etwa 20 Zentimetern. Darüber hinaus sind auch an einigen Orten mit empfindlicher Elektronik wie in Krankenhäusern oder im Flugzeug aus Sicherheitsgründen Bestimmungen einzuhalten, die dort den Gebrauch von Mobiltelefonen regeln.

Handynutzung in Flugzeugen

Der Gebrauch von Handys in Flugzeugen ist aus Sicherheitsgründen nur im sogenannten Flugmodus gestattet. In diesem abgesicherten Modus ist die Sende- und Empfangsfunktion ausgeschaltet. Videos schauen, Musik hören, lesen, spielen oder arbeiten sind während der gesamten Reisezeit aber möglich.

Telefonieren, SMS Versenden und Surfen im Internet ist auf Flügen jedoch untersagt. Der Grund: Diese Funktionen können Angaben des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) zufolge die Bordelektronik stören. Aufgrund der geringen Sendeleistung dürfen Laptops mit WLAN aber während des Fluges genutzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass an Bord ein WLAN-Hotspot eingerichtet ist.

Krankenhäuser und Arztpraxen

Zahlreiche medizinische Geräte arbeiten mit empfindlicher Elektronik, zum Teil handelt es sich dabei um lebenserhaltende Systeme. Wenn in ihrer Nähe Handys betrieben werden, kann das im unmittelbaren Umfeld von 1 bis 2 Metern zu Störungen führen. In Krankenhäusern und in ärztlichen Behandlungsräumen sollten Handynutzer auf Benutzungshinweise achten und ihr Mobiltelefon nach Möglichkeit ausschalten.

Durch Mobilfunkantennen in der Nähe von Krankenhäusern oder Arztpraxen - etwa auf dem Nachbardach - können medizinische Geräte jedoch nicht gestört werden. Die Störbeeinflussung elektrotechnischer Geräte wurde durch Normen und Gesetze zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) geregelt. Wenn ein Gerät die dort festgelegten Störfestigkeitsgrenzwerte einhält, wird es in der Praxis nicht durch die Aussendungen von Mobilfunkbasisstationen beeinflusst, denn Mobilfunkantennen arbeiten nur mit geringen Leistungen. Die Intensität der ausgesendeten elektromagnetischen Felder nimmt mit zunehmender Entfernung schnell ab.

Handyverbot an Tankstellen

In Bezug auf Tankstellen sind nicht die elektromagnetischen Felder der Mobiltelefone von Bedeutung. Eine theoretische Gefahr geht vielmehr - wie bei allen tragbaren elektronischen Geräten - von den Akkus aus. Wenn das Handy während eines Gesprächs zu Boden fällt und sich der Akku herauslöst, könnten Funken entstehen und leicht entzündliche Gase aus dem Tank oder der Zapfpistole zur Explosion bringen. Ein derartiger theoretisch denkbarer Unfall ist jedoch bisher noch nie aufgetreten.

Stand: August 2014