Wie beeinflusst der Mobilfunk das gesellschaftliche Miteinander?

Kaum eine Technologie hat die Welt schneller und nachhaltiger verändert als der Mobilfunk. Im Miteinander der Menschen zeigt sich das am deutlichsten. Heute ist es leichter als je zuvor, mit Menschen Verbindung aufzunehmen und mit ihnen Kontakt zu halten. Daraus ergeben sich für alle gesellschaftlichen Gruppen neue Chancen und spannende Handlungs-, Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Mobilfunk hat die zwischenmenschliche Kommunikation revolutioniert. Die Möglichkeit, beinahe jederzeit und an jedem Ort erreichbar zu sein, hat die Kommunikation der Menschen tief greifend verändert und ihr soziales Verhalten beeinflusst. Für den Schweizer Soziologen Hans Geser ist das Mobiltelefon ein "hochegalitäres" Medium. Anders als andere elektronische Medien wie der Computer wird es von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen gleichermaßen genutzt. Zudem hat sich das Handy in ganz unterschiedlichen Lebenswelten etabliert. Anfangs auf den Geschäftsbereich beschränkt, hat die mobile Kommunikation längst auch das Privatleben für sich erobert. Ein Großteil der mobilen Gespräche wird heute zwischen Freunden und Verwandten geführt.

Handy überbrückt Kommunikationslücken

Das Internet hat in den 90er Jahren eine Revolution der Kommunikation ausgelöst. Doch bei Weitem nicht alle haben einen Zugang zum globalen Informationsfluss und -austausch, weswegen heute eine "digitale Kluft" zwischen Menschen mit und ohne Internetanschluss besteht.

Die Mobilfunktechnologie schließt viele Lücken in der Kommunikation. Häufig erlaubt sie überhaupt erst den Aufbau funktionierender und wirtschaftlicher Kommunikationsnetze. So ermöglichen Mobilfunknetze in vielen Ländern der so genannten Dritten Welt Verbindungen selbst in sehr entlegene Regionen.

Ein weltweit viel beachtetes Entwicklungshilfe-Projekt geht auf den Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus zurück. Der Wirtschaftswissenschaftler und Bankgründer beteiligte sich in seinem Heimatland Bangladesch an einer Telefongesellschaft, die arbeitslosen Landfrauen in Dörfern Handys zur Verfügung stellt. Diese Frauen arbeiten mit den Handys als Telefonfrauen für die Dorfbevölkerung. Gegen eine kleine Bezahlung können Dorfbewohner so telefonieren und Kontakt mit der Außenwelt halten. Heute gibt es mehr als 260.000 dieser Dorftelefone und das sehr erfolgreiche Modell soll in ähnlicher Form in Uganda und Ruanda wiederholt werden. Das Motto von Yunus: „Die Menschen brauchen keine Geschenke. Sie brauchen Chancen.“

In Deutschland, wo die Versorgung der Bevölkerung mit Mobiltelefonen inzwischen die 100-Prozentmarke überschritten hat, verändert der Mobilfunk auf ganz andere Weise die Gesellschaft. Viele Menschen nutzen mehr als nur ein Handy. Das hat Konsequenzen für das soziale und ihr persönliche Kommunikationsverhalten, wie das Beispiel SMS verdeutlicht. Diese spezielle Dialogform, die sich aus der Beschränkung auf 160-Zeichen ergibt, ist mittlerweile Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen, Büchern und Literatur-Wettbewerben. „Simsen", das Verfassen der Kurznachrichten, hat die Gesellschaft für Deutsche Sprache vor einigen Jahren sogar zu einem der "Wörter des Jahres" gewählt. Mehr als 20,3 Milliarden Kurznachrichten (SMS) und Multimedia-Nachrichten (MMS) versenden die Deutschen pro Jahr.

 

Stand: Januar 2012