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Happy Birthday, Handy!
Ein kurzer Blick in die Geschichte des Mobilfunks
IZMF | 24.06.2003
Das Handy feiert seinen 20. Geburtstag. Zurück liegen zwei Jahrzehnte, in denen sich der Mobilfunk rasant entwickelt hat. Die neueste Generation von Mobiltelefonen - leicht, klein und multimedial - hat nur noch entfernt Ähnlichkeit mit dem Prototyp DynaTAC 8000 X, den der US-Hersteller Motorola 1983 auf den Markt brachte. Damals war der Siegeszug des Handys alles andere als absehbar. Denn das erste Handy wog 800 Gramm, war so groß wie ein Buch, bot lediglich eine Stunde Gesprächszeit und kostete stolze 4.000 Dollar. Und dennoch verkaufte es sich innerhalb eines Jahres 300.000 Mal!

Für den bahnbrechenden Erfolg des Handys war aber noch etwas anderes notwendig: Der Übergang vom analogen zum digitalen Mobilfunk. Mit der Einführung der digitalen D-Netze im Juni 1992 und der E-Netze ab 1994 endete in Deutschland die analoge Ära. Der neue digitale GSM-Standard ebnete dem Mobiltelefon den Weg in die Hand- und Jackentaschen. Immer kleinere und leistungsstärkere Geräte, rapide sinkende Tarife und die Einführung von Prepaid-Karten verhalfen dem Handy Ende der 90er Jahre endgültig zum Durchbruch. Die Zahl der Handynutzer in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als versechzigfacht und übersteigt längst die Zahl der Festnetzanschlüsse. Im Mai diesen Jahres, so meldeten die TK-News, überstieg die Zahl der Mobilfunknutzer in Deutschland erstmals die 60-Millionen-Grenze.

Was anfangs nur als möglichst kleiner und handlicher Telefonapparat gedacht war, entwickelt sich immer mehr zu einem umfassenden Kommunikations-Instrument. Dank der digitalen Netze können nicht nur Sprache, sondern auch Textbotschaften und andere digitale Inhalte übertragen werden. Der erste Meilenstein in dieser Entwicklung war der Short Message Service (SMS), der einen Siegeszug antrat, den selbst die Mobilfunkanbieter nicht erwartet hatten. Der Nachfolger – der Multimedia Messaging Services (MMS) – ist seit letztem Jahr auf dem Markt. Mit MMS lassen sich auch längere Mails verschicken. Und vor allem: Die Inhalte, die via Handy ausgetauscht werden können, sind multimedial. Durch MMS ist es möglich, Bilder, Spiele, kurze Filme und Musik zu versenden und zu empfangen. Experten erwarten, dass sich der Trend zur umfassenden Datenkommunikation noch verstärkt. In Zukunft, so lauten die Prognosen, wird Sprachübertragung weniger als ein Drittel des Mobilfunkgeschäftes ausmachen. Der Löwenanteil wird dann auf die Datenübertragung entfallen.

Die Entwicklung des modernen Mobilfunks hat unser Kommunikationsverhalten verändert. Da Handynutzer ortsunabhängig erreichbar sind, ist die Frage „Wo bist du?“ zum klassischen Gesprächsanfang unter Freunden geworden. Der Homo Mobilis verabredet sich nicht mehr Tage im Voraus, sondern klärt kurzfristig, wo er den anderen trifft. Und falls er ihn im Getümmel verliert, reicht ein Anruf, um den nächsten Treffpunkt auszumachen. Jede freie Minute wird zur Kontaktaufnahme mit den Lieben genutzt. Oft spielt dabei weniger der Inhalt der Mitteilung eine Rolle als vielmehr das Signal „Ich denke gerade an dich“.

Besonders gilt das für SMS-Mitteilungen, die insbesondere bei Jugendlichen eine eigene Kommunikationskultur hervorgebracht haben. Längst hat sich eine neue Sprache aus Abkürzungen und typisierten Gefühlsausdrücken entwickelt, die es erlaubt, auch mit wenigen Zeichen schnell und kompakt Inhalte auszutauschen. So wird das „Ich liebe dich“ zum „ILIDI“. Buchstabenknäuel neuen Ausmaßes haben durch SMS das Licht der Welt erblickt. Erscheint auf dem Handydisplay ein „KUWIHEBEKERZ?“, mag damit die Frage gemeint sein „Kuscheln wir heute bei Kerzenschein?“

Eine SMS ist schneller als ein Brief, unaufdringlicher als ein Telefonat und ortsunabhängiger als eine E-Mail. Diese positiven Eigenschaften können erklären, warum laut Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) im Jahre 2002 rund 24 Milliarden SMS aus den deutschen Mobilfunknetzen versendet wurden. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von knapp 50 Prozent.

Aber das Handy bedeutet mehr als Fun, Flirt & Entertainment. Es ist vor allem ein mobiler Helfer im Alltag. Der Zugewinn an Sicherheit, den das Mobiltelefon bietet, ist nach einer forsa-Umfrage im Auftrag des Informationszentrums Mobilfunk drei Vierteln der Deutschen sehr wichtig. Schon heute erfolgen nach Aussage von Rettungsdiensten mehr als die Hälfte aller Notrufe per Mobilfunk. Fast wöchentlich finden sich in den Tageszeitungen Meldungen, wie Menschen sich durch einen Anruf per Handy oder durch eine SMS aus Notsituationen befreien konnten. Die Wandergruppe, die vom Wildwasser überrascht wurde, die Schwangere, deren Baby früher als geplant auf die Welt kommen wollte, oder der Rentner, der der Friedhofstoilette nicht mehr entkam. So stellte beispielsweise der Deutsche Alpenverein fest, dass die Einsatzkräfte durch die schnelle Alarmierung per Handy durchschnittlich anderthalb Stunden schneller am Unfallort waren und der Mobilfunk vielen Bergsteigern dadurch das Leben gerettet hat.

Zudem bietet der Mobilfunk wichtige Anwendungen im Gesundheitsbereich, die unter dem Stichwort „Telemedizin“ zusammengefasst werden. Diese Anwendungen ermöglichen durch spezielle Endgeräte und die Übertragung von Biodaten via Mobilfunk höhere Lebensqualität und mehr Sicherheit für chronisch Kranke und Risikopatienten wie Diabetiker, Herzpatienten und Asthmatiker.

Auch wirtschaftlich haben Handy und Mobilfunk viel bewegt. Der Mobilfunk hat sich längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Das Umsatzvolumen mit Telekommunikations-Dienstleistungen lag im Jahr 2002 in Deutschland insgesamt bei 61 Mrd. €. Ein Drittel davon – also über 20 Mrd. € - entfielen allein auf Mobiltelefondienste.

Die Entwicklung des Mobilfunks verändert auch den Berufsalltag. Um Geschäftsprozesse effizient, sicher und kostengünstig abzuwickeln, ist die orts- und zeitungebundene Nutzung relevanter Informationen entscheidend. Es ist längst eine Selbstverständ-lichkeit, dass Mitarbeiter auch auf Dienstreisen über Handy erreichbar sind. Hinzu tritt zunehmend die Nutzung mobiler Datendienste: Ob ein Außendienstmitarbeiter kurzfristig Produktinformationen aus dem firmeneigenen Intranet benötigt, eine Spedition ihr Flottenmanagement effizienter gestalten will oder ein Manager auf Reisen im Internet recherchieren, E-Mails lesen oder Dateien versenden muss – sie alle profitieren von den Möglichkeiten des modernen Mobilfunks.

Künftig werden die so genannten „M2M“-Anwendungen hinzukommen: die Kommunikation zwischen Maschine und Maschine bzw. Mobiltelefon und Maschine. Neuartige Module, die für den Einsatz im Automatisierungsumfeld und für die drahtlose Fernsteuerung von Maschinen durch Textnachrichten konzipiert sind, ermöglichen die Steuerung von Haushaltsgeräten, während man im Büro oder unterwegs ist, machen Sprinkler- oder Klimaanlagen aus der Ferne mobil bedienbar und lassen sich für das Flotten- und Ressourcenmanagement eines Unternehmens nutzen.

Das Handy blickt auf eine Entwicklung von zwanzig Jahren zurück, in denen sich mehr verändert hat, als die Pioniere bei Motorola sich träumen ließen. Die Weiterentwicklung des Mobilfunks verspricht nicht weniger spannend zu werden.
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