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Telemedizin kann Leben retten und Kosten senken
IZMF | 14.12.2003
Es ist keine Neuigkeit, dass ein Mobiltelefon Leben retten kann. Mehr als die Hälfte aller Notrufe gehen schon heute über Mobilfunk bei den Rettungsstellen ein. Aber noch in einem anderen Feld erweist sich das Handy als wichtiger mobiler Helfer: In der Telemedizin.

Die ersten Spezialgeräte für Herzpatienten und Diabetiker sind bereits auf dem Markt und erfolgreich im Einsatz. Diese Geräte messen zu Hause oder unterwegs lebenswichtige Körperfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz und Blutzucker. Die Biodaten gehen mittels Mobilfunk an ein medizinisches Call-Center. Sobald die übertragenen Daten Grund zur Besorgnis geben, wird unverzüglich Hilfe eingeleitet.

Außerdem erlaubt die Telemedizin, Klinikaufenthalte zu verkürzen. So können Patienten mit implantierten Herzschrittmachern früher die Klinik verlassen und durch den Einsatz mobiler Kontrollsysteme in ihrer vertrauten Umgebung leben. Selbst ambulante Behandlungen per "Televisite" werden in Zukunft möglich sein: Patienten, die über ein Mobiltelefon mit integrierter Kamera verfügen, können dann von zu Hause aus in einer "Telesprechstunde" betreut werden und müssen ihren Arzt nur noch im Bedarfsfall persönlich aufsuchen.

Obwohl im experimentellen Einsatz vieles bereits funktioniert, wird es allerdings noch dauern, bis sich komplexe mobile Patientensysteme in der Praxis endgültig etabliert haben. "Denn es muss garantiert sein, dass diese Systeme absolut sicher sind", erläutert Dr. Klaus Theo Schröder, Staatsekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung.


Kostenreduktion im Gesundheitswesen

Neben dem medizinischen Aspekt zählt - besonders in Zeiten knapper Kassen - natürlich auch der finanzielle Faktor. Die Europäische Kommission hat die Potenziale der Telemedizin erkannt und 2002 das mit knapp fünf Millionen Euro unterstützte Projekt "MobiHealth" gestartet. Dazu Rainer Herzog, Chefkoordinator des MobiHealth-Projektes: "Man schätzt, dass sich durch ein mobiles Patientenmanagement zwischen 10 und 30 Prozent der jährlichen Krankheitskosten bei chronisch kranken Patienten einsparen lassen. Bei über 20 Millionen chronisch Kranken alleine in Deutschland könnte dies Einsparungen in Milliardenhöhe bedeuten." Nach Berechnungen der Marktforscher von McKinsey würden sich beispielsweise die jährlichen Behandlungskosten eines Asthma-Patienten durch Telemedizin um rund 5.000 Euro reduzieren lassen.

Inzwischen befindet sich MobiHealth in seiner zweiten Phase: Von Anfang August bis Ende November 2003 wurden Feldversuche in Deutschland, Schweden, Spanien und den Niederlanden durchgeführt. Sie beschäftigen sich mit dem Einsatz von Telemedizin bei Hochrisikoschwangerschaften, Herzrhythmusstörungen, Asthma und Arthritis. Ziel ist es in erster Linie, die technische Machbarkeit unter Beweis zu stellen. Bis zur großflächigen Einführung der neuen Technologie wird indes noch Zeit benötigt. Hier setzt das MobiHealth-Projekt laut Herzog auf die Unterstützung durch die Krankenkassen und die Gesundheitspolitik, um zügig voranzukommen und schon bald größere Pilotprojekte initiieren zu können.

Im Gesundheitswesen werden eine Vielzahl von Daten erhoben und ausgewertet. Um das in Deutschland existierende System mit 120.000 Arztpraxen und 70 Millionen Versicherten künftig effizienter gestalten zu können, müssen die bisher weitgehend "verinselten" Informationssysteme vernetzt werden. Hier leisten Mobilfunk und Informationstechnologie (IT) einen unverzichtbaren Beitrag. "Zwischen 20 und 40 Prozent der Leistungen im Gesundheitswesen sind Datenerfassung, Informationsverarbeitung und Kommunikation", urteilt Klaus Theo Schröder. "Diese Leistungen könnten durch den IT-Einsatz erheblich rationeller gestaltet werden. Damit würde sich auch die Qualität der Behandlung verbessern."

Politiker wie auch Krankenkassen sind überzeugt, dass dank der mobilen Telemedizin und mittels Mobilfunk zwei wichtige Ziele gemeinsam erreicht werden können: Eine Verbesserung der Patientenversorgung auf der einen und eine Kostenreduktion im Gesundheitswesen auf der anderen Seite.
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