Mobilfunkfelder in Hessen liegen weit unter Grenzwerten
TÜV-Messreihe im Auftrag des Informationszentrums Mobilfunk untersuchte Mobilfunkstandorte in 24 hessischen Städten
Berlin/Wiesbaden | 29. Juni 2004
Die elektromagnetischen Felder von Mobilfunksendeanlagen in Hessen liegen weit unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte. Das ist das Ergebnis einer landesweiten Messreihe, die der TÜV Nord im Auftrag des Informationszentrums Mobilfunk e.V. (IZMF) durchgeführt hat.
Im Allgemeinen erreichen die Messwerte auch nach Inbetriebnahme der neuen UMTS-Mobilfunknetze nur ein Hundertstel bis ein Tausendstel des gesetzlich zulässigen Rahmens. Die jetzt gewonnenen Messergebnisse geben der Bevölkerung Sicherheit und sorgen für mehr Transparenz beim Thema Mobilfunk-Immissionen, erklärt Dagmar Wiebusch, Geschäftsführerin des Informationszentrums Mobilfunk. Angesichts der geringen gemessenen Feldstärken unterhalb der gültigen Grenzwerte besteht kein wissenschaftlich begründeter Verdacht auf Gesundheitsrisiken, sagt Prof. Dr. med. Thomas Eikmann von der Justus-Liebig-Universität in Gießen.
Ziel der aktuellen Messreihe unter Schirmherrschaft des Hessischen Ministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz ist es, einen sachlichen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung über die Eigenschaften von Mobilfunkfeldern zu leisten. Anhand der Ergebnisse können sich Bürgerinnen und Bürger selbst ein klares Bild davon verschaffen, welche Immissionen in der Nähe von Sendeanlagen sowie in ihren Wohnbereichen und im Umfeld von Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser tatsächlich auftreten, sagt Wiebusch. Um ein Höchstmaß an Bürgernähe zu garantieren, waren Vertreter von 24 Städten in Hessen im Vorfeld der Messreihe gebeten worden, Vorschläge für Messorte einzureichen. Dieses Angebot wurde breit genutzt.
Entsprechend den Empfehlungen der Kommunen wurden von den unabhängigen Experten des TÜV Nord zahlreiche Orte sensibler Nutzung wie Kindergärten und Schulen aber auch Wohnbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft von Mobilfunkantennen untersucht. An den über 100 Messpunkten fanden die TÜV-Ingenieure Mobilfunkfelder in nur minimaler Höhe. Selbst der größte ermittelte Wert in Hessen erreichte nur 1,3 Prozent des gültigen Grenzwertes bezogen auf die Leistungsflussdichte. Die Mehrheit der Messwerte lag unterhalb von 0,1 Prozent.
Die Auswertung der Messergebnisse zeigt darüber hinaus, dass der von einigen Kommunen geforderte Sicherheitsabstand von 100 Metern oder mehr um Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser nicht zielführend ist. Wegen der technischen Eigenschaften der Mobilfunkantennen schwankt die Stärke der elektromagnetischen Felder gerade in diesem Nahbereich lokal sehr stark. Zumeist ist sie dort deutlich geringer als in einiger Entfernung von der Sendeanlage, sagt Dr. Christian Bornkessel vom Institut für Mobil- und Satellitenfunktechnik (IMST GmbH). Die Messungen verdeutlichen auch die Auswirkungen von Gebäudewänden und Hausdächern. In den Räumen und Wohnungen direkt unterhalb einer Sendeantenne ist die Immission daher häufig deutlich geringer als in größerem Abstand außerhalb des Gebäudes, wie Bornkessel feststellt. Die Messreihe zeigt zudem, dass andere Funkquellen wie etwa TV- und Radio-Sender zum Teil deutlich höhere Immissionen als Mobilfunksendeanlagen erzeugen.
Im Rahmen der Messreihe konnten die TÜV-Experten erstmals die Gesamtimmission seit der Aufnahme des Regelbetriebs der vier UMTS-Mobilfunknetze Anfang 2004 untersuchen. Dabei stellten sie einen erwarteten leichten Anstieg fest. An einzelnen Messorten kann je nach örtlicher Situation - insbesondere bei unterschiedlicher Ausrichtung der Sendeantennen oder abweichenden Formen der Antennendiagramme - die Feldstärke des einen oder des anderen Mobilfunkdienstes überwiegen. Ungeachtet dessen gilt für alle in Hessen untersuchten Mobilfunk-Standorte: Die aufsummierten Leistungsflussdichten schöpfen nur Bruchteile des zulässigen Grenzwertes aus.
Die Messungen wurden nach den Qualitätsstandards der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) durchgeführt. Die Messergebnisse aller Außenmesspunkte sollen in die öffentliche Datenbank der Behörde aufgenommen werden.
Im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen in Gießen (1. Juli), Kassel (8. Juli) und Darmstadt (15. Juli) können sich Bürgerinnen und Bürger über die Ergebnisse der Messreihe informieren. Zudem erläutern Experten die komplexen Eigenschaften elektromagnetischer Felder anhand exemplarischer Szenarien einfach und verständlich. So können sich die Menschen selbst ein Bild von den typischerweise in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung auftretenden elektromagnetischen Felder verschaffen. Dabei geben wir allen Interessierten die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an Experten zu richten und die Ergebnisse der Messreihe in einer offenen Diskussionsrunde ausführlich mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Medizin zu diskutieren, erläutert Wiebusch. Damit wollen wir den Dialog zwischen Fachleuten und Öffentlichkeit fördern. Darüber hinaus veranstaltet das IZMF auch Workshops für die Vertreter der Kommunen.
Die Messergebnisse und die Bewertung aus technischer und biologischer Sicht wie auch alle Informationen zum Messverfahren stehen ab Juli unter www.izmf.de auf der IZMF-Website zum Download bereit.
Das Informationszentrum Mobilfunk ist Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger, Medien sowie öffentliche und private Einrichtungen zum Thema mobile Kommunikation. Es ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der von den Mobilfunknetzbetreibern getragen wird.
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