Moderne Kommunikationstechnologie ist in Industrie und Dienstleistungsbetrieben längst Standard. Inzwischen werden Mobilfunklösungen zunehmend auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Möglichkeiten reichen vom kabellosen Versenden der Erntedaten über die Fernsteuerung von Bewässerungsanlagen bis hin zum Lüftungsalarm per SMS.
Landwirte nutzen das Handy längst nicht mehr nur zum Telefonieren. Der Mobilfunk trägt auch im Ackerbau und in der Viehzucht dazu bei, Kosten zu senken oder Maschinen möglichst maximal auszulasten. Mit modernen Teleservicesystemen können technische Störungen schnell behoben und teure Stillstandzeiten vermieden werden. Versagt der Mähdrescher, loggt sich der Kundendienst per Ferndiagnose in die Maschine ein und meldet die Ursache auf das Handy des Landwirts. Via GSM-Netz können Servicetechniker auch direkt eingreifen und zum Beispiel den Hydraulikdruck regulieren.
Den Praxistest bestanden hat auch die Alarm-Weiterleitung via GSM. Steigt beispielsweise im Schweinestall die Temperatur gefährlich an oder fällt die Lüftungsanlage aus, wird der Landwirt per SMS informiert. Auch in Milchviehbetrieben leistet die Technologie wichtige Dienste. Anton Wittmann, Landwirt im schwäbischen Gagers: „Unser Melkroboter ist rund um die Uhr im Einsatz. Die Kühe werden automatisch gemolken, wenn es an der Zeit ist. Bei Problemen werde ich via Handy benachrichtigt und kann sofort eingreifen, ohne den ganzen Tag im Stall sein zu müssen.“ Ein anderes Beispiel ist die Zuckerrübenernte. Mussten die Fahrer die Daten, die bei der Rodung anfielen, früher auf Handzetteln für die Abrechnung dokumentieren, werden die Informationen heute direkt im Roder gespeichert. Die Daten werden über ein integriertes GSM-Modul für die Abrechnung aufbereitet und direkt an die Einsatzzentrale geschickt.
Ein weiteres Beispiel aus der täglichen Praxis:Bei der Bewässerung können bereits heute funkgesteuerte Beregnungsanlagen helfen. Im Minutentakt senden die Anlagen per GSM Wettermeldungen oder Informationen über die Bodenfeuchte an einen zentralen Computer. Der Betriebsleiter prüft die Protokolle und kann bei Bedarf aus der Ferne die Einstellung der Maschinen ändern.
Technik noch nicht verbreitet
Dennoch haben sich Mobilfunkanwendungen in der Landwirtschaft noch nicht durchgesetzt. „Viele Landwirte sind noch unsicher, ob sie die Technik wirklich einsetzen sollen. Doch die Akzeptanz steigt“, sagt Prof. Dr. Hermann Seufert vom Institut für Landtechnik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Aktuelle Diskussionen über mögliche Auswirkungen des Mobilfunks auf Mensch und Umwelt sieht Seufert jedoch nicht als Grund für die derzeitige Zurückhaltung bei den Landwirten.
Neue EU-Verordnung
Dies könnte sich durch die im Januar 2005 in Kraft getretene EU-Verordnung 178/2002 ändern. Danach muss die Produktion von Lebensmitteln von der Saat über die Ernte bis zum Verkauf lückenlos aufgezeichnet werden. Prof. Seufert: „Landwirte müssen künftig alle Schritte im Produktionsverfahren dokumentieren.“ Per Hand sei das nicht zu schaffen. „Für die Zukunft brauchen wir ein funkbasiertes Erfassungssystem, das in den Traktor integriert ist und die Daten automatisch speichert und versendet, sobald der Bauer den Zündschlüssel umdreht.“
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