Handys in der Schule?
Viele Jugendliche und immer mehr Kinder nutzen mobile Kommunikation heute ganz selbstverständlich. Die Möglichkeit, Eltern und Freunde jederzeit erreichen zu können, gibt vor allem Sicherheit. Doch Gewaltvideos in Schulen haben eine Diskussion über ein generelles Nutzungsverbot von Handys in Schulen ausgelöst. Kritiker befürchten zudem, das Handy könne zur Kostenfalle für den Nachwuchs werden. Eine aktuelle Studie zeichnet ein etwas anderes Bild.
In vielen Schulranzen hat das Handy heute seinen festen Platz. Von den 6- bis 9-Jährigen verfügen bereits sechs Prozent über ein eigenes Handy und bei den 9- bis 14-Jährigen besitzen gut zwei Drittel ein eigenes Mobiltelefon. Sinnvoll ist ein Handy vor allem dann, wenn der Nachwuchs längere Wege allein zurückzulegen hat: zur Schule, zum Fußballtraining oder zur Klavierstunde. Gerade jüngere Schüler sind nach Ansicht von Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands, auf das Mobiltelefon angewiesen – zum Beispiel wenn der Unterricht früher als geplant zu Ende ist, die Eltern kurzfristig verständigt werden müssen und die nächste öffentliche Telefonzelle weit entfernt ist.
Auch für Dr. Nicola Döring, Professorin am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau, überwiegen die Vorteile, wenn der Nachwuchs heute mobil erreichbar ist. Während des Unterrichts sollte das Handy laut Döring natürlich grundsätzlich ausgeschaltet bleiben, gegen eine Nutzung in den Pausen sei aber nichts einzuwenden. „Der tägliche Umgang mit dem Mobiltelefon ist für Kinder zu einem Stück Lebenswirklichkeit geworden. Handys geben Kindern Sicherheit und helfen, soziale Kontakte aufzubauen und den Alltag zu organisieren – Gründe, warum auch Eltern der Handynutzung insgesamt positiv gegenüberstehen“, sagt Nicola Döring. Wichtig sei, dass sich Eltern dafür interessierten, in welcher Weise ihre Kinder das Handy nutzen, ohne dabei deren Privatsphäre zu verletzen.
Mobile Kostenfalle?
Daneben gibt es aber auch Bedenken, eine übermäßige Handynutzung könne für Kinder und Jugendliche zur Kostenfalle werden. Beim genauen Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Ausgaben der 10- bis 17-Jährigen für Telekommunikation „absolut und vom Anteil an den Einnahmen her gesehen kaum Grund zur Besorgnis geben, Kinder und Jugendliche könnten sich über ihre Handyausgaben verschulden“. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Jugend und Geld 2005“ des Instituts für Jugendforschung, die im Auftrag der Schufa und unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführt wurde. Danach ist lediglich ein halbes Prozent aller Befragten aufgrund zu hoher Handyrechnungen verschuldet.
Die Studie zeigt auch, dass die meisten Eltern die von Unternehmen angebotenen Instrumente zur Kostenkontrolle wie die Sperrung teurer Rufnummern kennen. Vier Fünftel von ihnen nutzen beispielsweise eine Prepaid-Karte, um die Handykosten im Griff zu behalten.
Dialog mit Schülern suchen
Ein Nutzungsverbot von Mobiltelefonen an Schulen, wie es nach dem Auftauchen von Gewaltvideos auf Schüler-Handys in Bayern gilt, wird von vielen Experten abgelehnt. Auch die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, spricht sich dagegen aus. Zwar dürfe das Problem nicht bagatellisiert werden, sinnvoller sei es jedoch, mit Schülern und Eltern über das Thema zu sprechen. Eine differenzierte Auseinandersetzung an den Schulen unterstützt auch das Informationszentrum Mobilfunk e.V. (IZMF). Im Rahmen des „Schulprojekts Mobilfunk“ wurden mit lehrerfachlicher Begleitung Unterrichtsmaterialien entwickelt, die Sachinformationen, Anregungen für den Unterricht sowie didaktische Hinweise und Arbeitsblätter bieten. „Die Materialien sollen Schülerinnen und Schüler zum bewussten und eigenverantwortlichen Umgang mit Mobilfunk anregen“, sagt IZMF-Geschäftsführerin Dagmar Wiebusch.
