Wie beeinflusst die Entwicklung der Mobilfunktechnik unsere Sprache?
Telefon, SMS, Chat, E-Mail, Brief und Fax – die Menschen nutzen heute verschiedene Möglichkeiten, um über räumliche Entfernungen hinweg zu kommunizieren. Die Sprache passt sich dabei dem jeweiligen Kommunikationsmedium an. "Fasse Dich kurz" – früher ein Slogan an den Telefonzellen – gilt heute auch für den Austausch von Botschaften per SMS und hat eine ganz eigene Sprache entstehen lassen.
Was die einen als Verfall der Sprache empfinden, spornt andere zu neuen Formulierungskünsten an. Ob sich das "Simsen", das Verfassen der kurzen Textnachrichten, tatsächlich als sprachliche Revolution erweist, muss sich zwar erst noch zeigen. Fest steht aber schon heute, dass sowohl gesprächsfreudige Menschen als auch diejenigen, die "zu faul sind", eine E-Mail zu schreiben, gerne SMS verschicken.
Kurznachrichten beflügeln Fantasie
Die Tatsache, dass die Länge einer SMS auf 160 Zeichen beschränkt ist, macht Handy-Nutzer erfinderisch. Um Zeichen zu sparen, sind Abkürzungen beliebt wie "HDGL" ("Hab dich ganz doll lieb") oder "HEGL" ("Herzlichen Glückwunsch") oder "BBB" ("Bye-bye, Baby"), "dg" ("dumm gelaufen") oder "kv" ("kannste vergessen"). Die Beschränkung auf nur wenige Buchstaben bedeutet jedoch nicht zwingend eine Sprachverarmung, die vor allem der jüngeren Generation häufig unterstellt wird. Schließlich waren auch schon vor den Zeiten von SMS Abkürzungen üblich wie "MfG" ("Mit freundlichen Grüßen"), die im Übrigen auch der Duden zulässt.
Die Kurznachrichten bringen es mittlerweile sogar zu literarischem Ruhm. Wettbewerbe und ganze Bücher, zum Beispiel "SMS-Lyrik" von Anton Leitner, beschäftigen sich damit. In dessen Klappentext heißt es: "Das pralle Leben in seiner ganzen Fülle hat Einzug gehalten auf 160 Zeichen. Da aber nicht jeder, der will, bekanntlich auch kann, findet er/sie viele Möglichkeiten, die eingefahrenen SMS-Pfade zu verlassen, und originelle, witzige, überzeugende, anregende, aufregende Mitteilungen zu verschicken, die nicht schon zum eintausendundsten Mal auf dem Display aufgetaucht sind. Vom ehrenwerten Catul bis zu rotzfrechen, jungen Poeten kann man sich anregen lassen, seine Mitmenschen (wenn, dann wenigstens) geistreich zu nerven."
Viele Gründe für kurze Nachrichten
Allein 2010 wurden in Deutschland rund 41,3 Milliarden SMS verschickt. Die Gründe, zum Mobiltelefon zu greifen und sich per SMS-Funktion einem anderen Menschen mitzuteilen, sind so vielfältig wie das Leben selbst: Verabredungen, Liebeserklärungen, Witze oder einfach nur ein „Hallo" werden in allen Sprachen der Welt auf den Displays visualisiert und spiegeln den Gemütszustand ihrer Verfasser wider. Manchmal ist der Griff zur Taste aber auch nur ein Versuch, die Langeweile zu bekämpfen.
